Ernährung

Was tun bei Gemüsemuffel & Co.

Pommes mit Ketchup, Nudeln mit Tomatensoße und bunt belegte Pizzen sind die unangefochtenen Lieblingsspeisen fast aller Kinder und könnten tagtäglich von ihnen verputzt werden. Doch warum schmecken ihnen gerade diese - leider nicht sonderlich vollwertigen Gerichte - so besonders gut, während Nahrungsmittel wie Brokkoli, Paprika und Vollkornbrot oftmals mit Machtkämpfen am Esstisch verbunden sind? Neugierig geworden? Dann lesen Sie hier weiter...

Kinder sind konservativ
Ernährungspsychologen sind dieser Frage nachgegangen und haben herausgefunden: Kinder sind konservativ - das bedeutet in Bezug aufs Essen: Sie vertrauen auf bekannte Lebensmittel und machen stets das zur Lieblingsspeise, was häufig auf den Tisch kommt. Und nun raten Sie, welche Gerichte Kindern besonders oft zubereitet werden... Genau: Pommes mit Ketchup, Nudelgerichte usw. Denn mehr oder minder exakt diese Gerichte halten wir Erwachsenen für typische Kindergerichte.

Selbstverständlich ist gegen Nudelspeisen & Co. zum Mittagessen nichts einzuwenden. Dennoch möchten wir Sie ermutigen, kritisch mit diesen Klischees umzugehen und lieber die Vielfalt der Nahrungsmittel zu nutzen. Ein abwechslungsreicher Speiseplan wird Ihr Kind automatisch dazu anregen, seinen "Esshorizont" mit neuen Geschmackserfahrungen zu erweitern - um auf diese Weise selbst herauszufinden, was es gerne mag.


Was Kinder auf den Geschmack bringt
Wie können Sie nun die Neugier Ihres kleinen Nachwuchses wecken und ihn im wahrsten Sinne des Wortes auf den Geschmack von noch unbekannten und ungeliebten Nahrungsmitteln bringen? Nachfolgend finden Sie einige erprobte Tipps und Anregungen, die helfen, dass Kinder sich an neue Geschmäcker heranwagen:

  • Gemeinsam am gedeckten Tisch: Dass die Erfahrung mit einem gewissen Lebensmittel als angenehm bewertet wird, hängt bei Kindern eng mit positiven Erinnerungen an die Essensituation zusammen. Werden die Mahlzeiten gemeinsam am Familientisch oder auch einmal in lustiger Runde mit Spielkameraden eingenommen, erhöht dies die Bereitschaft, etwas zu probieren oder zu mögen.
  • Mit allen Sinnen genießen: Ihrem Nachwuchs ist zunächst herzlich egal, ob das, was er zu sich nimmt gesund ist, da die Auswahl der Lebensmittel überwiegend emotional bestimmt wird. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Sinne, da Kinder intensiver riechen, schmecken und fühlen als Erwachsene. Sicherlich haben Sie bereits beobachtet, dass Ihr Kind begeistert ist, wenn ein Lebensmittel im Mund lustige Geräusche macht, wenn es eine kräftige Farbe hat, interessant riecht und gut aussieht.
  • Kinder lieben phantasievolle Namen: Gerichte mit phantasievollen Namen aus der Erlebniswelt der Kinder können bei ihnen positive Verbindungen erzeugen und sie auf diese Weise zum Essen der Speisen bewegen. Bieten Sie Ihrem Kind doch z.B. mal Gemüsesuppe als "Piratensuppe" an, Fisch mit Gemüse und Reis als "Popeye-Teller", helle Nudeln gemischt mit Vollkornnudel als ?Zebranudeln? oder Körnerbrot als Brot mit "Mucki-Körnern".
  • Ohne Messer und Gabel: Kinder lieben es, mit den Fingern zu essen: Rohe Gemüsestücke mit einem Quark-Dip werden im Nu verputzt. Aber auch in Form eines Gesichtes auf dem Brot schmecken Obst und Gemüse besonders lecker. Das geht ruck zuck mit Weintraubenlocken, Kiwiaugen, einer Erdbeernase und einem Bananenlächeln... 
  • Gemeinsam Kochen macht Spaß: Ein besonderes Interesse am Essen entwickeln Kinder vor allem dann, wenn sie schon früh beim Zubereiten von Mahlzeiten mithelfen dürfen - in der Regel sind sie mit Freude und Neugierde dabei, wenn sie sich beim Tischdecken, Teigkneten oder Umrühren nützlich machen können. Und nicht zuletzt zeigt die Erfahrung, dass alles was selbst gekocht oder gebacken wird, mindestens doppelt so gut schmeckt.
  • Gemeinsamer Speiseplan: Was auf den Tisch kommt, sollten nicht nur Erwachsene bestimmen. Kinder, die beim Speiseplan mitreden dürfen, essen auch lieber. Wie wäre es mit einem Wochenritual: An einem Tag der Woche schauen Sie gemeinsam ins Kochbuch und wählen zusammen aus, was es zu essen gibt.


Nicht zuletzt ist wichtig zu wissen:

  • Kinder nehmen sich ein Beispiel - und zwar an Ihnen: Kinder lernen vor allem durch Beobachtung. Dabei spielt das Vorbild der Eltern eine große Rolle: Wenn Sie gerne Süßes und kaum Gemüse essen, haben Sie beim Nachwuchs schlechte Karten, wenn es "gesundes Essen" geben soll. Denn Sie als Mutter und Vater haben nicht nur einen großen Einfluss auf das, was Ihre Kinder mögen, sondern vielmehr darauf, was sie ablehnen. Interessant ist aus diesem Grund also, sich einmal die eigenen Geschmacksvorlieben bewusst zu machen.
  • Geduld und Gelassenheit: Lassen Sie Ihr Kind selbst entscheiden, ob, was und wie viel es essen will - und respektieren Sie das Sättigungsgefühl Ihres Kindes. Machtkämpfe am Tisch verderben die Freude am Essen. Beim Probieren neuer Speisen sind gewiss Ausdauer und Geduld nötig, denn manchmal bedarf es beim Anbieten neuer Speisen einige Male, bevor der Nachwuchs probiert. So haben Studien ergeben, dass Kinder ein neues Nahrungsmittel oder Gericht durchschnittlich zehnmal probieren, bis sie es mögen. Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit Freude und Vorbild erreichen Sie eine ganze Menge.