Ernährung

Der kleine Ernährungserziehungsratgeber

Essgewohnheiten werden in den ersten Lebensjahren geprägt und oft ein Leben lang beibehalten. Was Kinder jetzt mögen, essen sie meistens ein Leben lang gerne. Kurz gesagt: Als Eltern haben Sie schon im ersten Lebensjahr die Chance, Ihrem Kind gesunde Ernährungsgewohnheiten mitzugeben. Wie Sie Ihrem Nachwuchs gute Startbedingungen bieten können, erfahren Sie hier.

Essen mit Kindern
Das Motto Gegessen wird, was auf den Tisch kommt! hat längst ausgedient. Ernährungserziehung ist jedoch trotzdem wichtig. Hierzu reichen bereits zwei einfache Regeln aus, die auch extrem wählerischen Kindern gerecht werden:

  • Regel Nr.1: Sie als Eltern sind für eine ausgewogene Kost in der Familie verantwortlich und entscheiden, was es zu Essen gibt, wie oft und zu welchen Zeiten dem Kind das ausgewählte Essen angeboten wird. Zudem legen Sie Verhaltensregeln fest, die Ihnen beim Essen wichtig sind.
  • Regel Nr.2: Ihr Kind darf entscheiden was, in welchem Tempo und wie viel es von den von Ihnen angebotenen Speisen essen möchte. Es darf aufhören zu essen, wenn es satt ist. Die Gefühle Hunger und Sättigung sind Kindern angeboren. Sie als Eltern können darauf vertrauen.
Wenn Ihr Kind deutlich signalisiert, dass es nichts mehr essen möchte, sollten Sie das respektieren. Der Appetit kann von Tag zu Tag und von Mahlzeit zu Mahlzeit recht unterschiedlich sein. Auch die Unterschiede von Kind zu Kind können groß sein. Haben Sie die Befürchtung, Ihr Kind isst zu wenig? Wenn sich Ihr Kind altersgerecht entwickelt, können Sie beruhigt sein: Ihr Kind isst so viel es braucht.

Wenn ein Kind gedrängt wird, mehr zu essen, als seinem Sättigungsgefühl entspricht, verliert es die Freude am Essen. Bei der nächsten Mahlzeit wird es nicht mehr mit Freude zugreifen und Sie werden sich erneut dafür zuständig fühlen, dass Ihr Kind genug isst. Ein Teufelskreis mit Machtkämpfen beginnt.


Fakten zum StaunenBauchgefühl
Sie haben Zweifel, ob Sie Ihrem Kind das zutrauen können? Seien Sie ganz gelassen, denn bei kleinen Kindern funktioniert das angeborene Hunger- und Sättigungsgefühl noch ausgezeichnet. Es ist ganz normal, dass sie mal mehr und mal weniger zu sich nehmen. Wie ein legendäres Experiment der amerikanischen Ärztin Clara Davis Anfang des 20. Jahrhunderts zeigte, wissen Kinder zudem instinktiv, was gut für ihren Körper ist: Drei Kinder im Alter von rund neun Monaten durften ein halbes Jahr lang mehrmals täglich aus einer Vielzahl frisch zubereiteter Lebensmittel auswählen. Das verblüffende Ergebnis war, dass sich die frei gewählte Nahrung als optimal für Gewicht, Wachstum, Knochenentwicklung und Gesundheit erwies.
<break> Geduld und Ausdauer
Der erste Brei ist vom Geschmack und der Konsistenz eine ganz andere Erfahrung als Muttermilch oder Fertigmilch. Führen Sie Ihr Kind daher langsam an den Brei und neue Geschmacksrichtungen heran. Wechseln Sie zu Beginn der Beikost nicht zu oft die Geschmacksrichtung. Das kann Kinder überfordern. Ein vertrautes Geschmackserlebnis vermittelt Kindern Sicherheit.

Und vor allem: Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Ihr Kind ein neues Gericht zunächst ablehnt. Oft mögen Kinder neue Geschmäcker erst nach mehrmaligem Angebot. Ermutigen Sie Ihr Kind zum Probieren und loben Sie es, wenn es eine neue Speise probiert hat. Natürlich ist es auch erlaubt, etwas aus dem Mund wieder auf den Teller zu tun, wenn es gar nicht schmeckt. Was Ihr Kind heute nicht mag, kann morgen schon das Lieblingsgericht sein.

Probieren Sie doch selbst ab und zu ein neues Gericht oder unbekanntes Lebensmittel. Vielleicht mag Ihr Kind auch Lebensmittel und Geschmacksrichtungen, die Sie noch nie auf den Tisch gebracht haben.

  
Fakten zum StaunenVon Super-Tastern und Geschmacksknospen
Wussten Sie, dass es unsere Gene sind, die bestimmen, wie intensiv wir Geschmäcker wahrnehmen? Circa 25% der Bevölkerung sind sogenannte Super-Taster ("Super-Schmecker"), die Bitterstoffe sehr viel stärker wahrnehmen als der Rest der Bevölkerung. Solche Menschen können z.B. ihr ganzes Leben lang eine Abneigung gegen Rosenkohl und Spinat haben.

Auch Kleinkinder schmecken noch um einiges intensiver als wir Erwachsenen. Der Grund: Sie haben ungefähr doppelt so viele Geschmacksknospen. Daher sollten Speisen für Kinder sehr mild gewürzt sein. Nehmen Sie eine kleine Portion vom Familienessen ab und würzen Sie erst danach für den Rest der Familie.
<break> Rahmen, Regeln, Rituale
Alleine essen macht keinen Spaß, vor allem Kinder lieben es zusammen mit Mutter, Vater und Geschwistern an einem Tisch zu sitzen. Versuchen Sie daher wenigstens einmal am Tag gemeinsam zu essen. Das gibt Ihrem Kind das Gefühl von Geborgenheit und  Zugehörigkeit. Halten Sie wenn möglich feste Mahlzeiten ein. Die Struktur eines festen Mahlzeiten-Rhythmus vermittelt Kindern das Gefühl von Sicherheit. In einer angenehmen Atmosphäre schmeckt es allen gleich viel besser. Ein schön gedeckter Tisch und eine gemütliche Stimmung tragen viel dazu bei, dass Essen ein Genuss ist. Einige Regeln helfen, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen: Verbannen Sie Spielsachen vom Tisch und schalten Sie den Fernseher ab. Ein Tischspruch oder Gebet als Ritual zu Beginn einer Mahlzeit lässt Kinder ruhiger werden.


Tipps aus der Praxis: Beliebte Tischsprüche
  • Piep, Piep, Piep, wir haben uns alle lieb
    Guten Appetit!
  • Herbei, herbei, gekocht ist der Brei,
    der Tisch ist gedeckt,
    nun seht wie´s uns schmeckt.
  • Erde, die uns dies gebracht
    Sonne, die es reif gemacht
    liebe Sonne, liebe Erde,
    euer nie vergessen werde!

Kinder nehmen sich ein Beispiel - und zwar an Ihnen
Kinder lernen durch Beobachtung und Nachahmung. Dabei spielt das Vorbild der Eltern eine große Rolle: Wenn Sie gerne Süßes und kaum Gemüse essen, haben Sie beim Nachwuchs schlechte Karten, wenn es "gesundes Essen" geben soll. Denn Sie als Mutter und Vater haben nicht nur einen großen Einfluss auf das, was Ihre Kinder mögen, sondern vielmehr darauf, was sie ablehnen. Die gute Nachricht dabei ist: Einfach durch Ihr gutes Vorbild lernt Ihr Kind. Und das geht ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Stress. Das ist auch für Sie die Chance, sich einmal die eigenen Geschmacksvorlieben bewusst zu machen.


Essen ist kein Trostpflaster
Lebensmittel sollten nie als Druckmittel (z.B. zur Strafe) eingesetzt werden ? aber auch nicht zum Trost oder zur Belohnung. Fragen Sie sich stets vielmehr, was Ihr Kind gerade wirklich braucht. Ist es traurig und braucht Ihren Trost oder eine kleine Kuschelzeit? Ist es stolz und möchte gelobt und anerkannt werden? Fühlt es sich allein und braucht Zuwendung? Wenn Lebensmittel als Trost, zur Beruhigung oder Belohnung benutzt werden, lernen Kinder dadurch falsche Verhaltensmuster, die sie bis ins Erwachsenenalter begleiten.