Unfallverhütung

Umfassender Schutz für kleine Verkehrsteilnehmer

Die erste Autofahrt erlebt Ihr Kind meistens direkt nach der Entbindung, wenn es vom Krankenhaus nach Hause geht. Beim Thema Autofahren steht natürlich der Autokindersitz im Mittelpunkt des Interesses - häufig verbunden mit zahlreichen Fragen. Wenige Monate später kommt möglicherweise das Fahrrad als Fortbewegungsmittel dazu. Doch was ist beim Fahrradsitz zu beachten? Sind Fahrradanhänger zu empfehlen? Und woran kann ich prüfen, ob der Helm richtig sitzt? Diesen und weiteren Fragen können Sie hier auf den Grund gehen.

Die meisten Wege werden heutzutage mit dem Auto zurückgelegt - Kinder erleben diese Art der Fortbewegung deshalb schon frühzeitig als Normalität. Der Kindersitz ist dabei bis zum Alter von 12 Jahren Pflicht, schließlich kann er Ihren Sprössling bei einem Unfall vor folgenschweren Verletzungen schützen. Maximale Sicherheit bietet ein Autokindersitz allerdings nur, wenn er der Größe Ihres Kindes entspricht und richtig eingebaut und gehandhabt wird. Tauchen diesbezüglich einige Fragezeichen bei Ihnen auf? Widmen wir uns doch gemeinsam den verbreitetesten Unsicherheiten:


Welcher Sitz ist für welches Alter geeignet?
Das Angebot an Kinderautositzen ist riesig, dementsprechend schwer fällt manchmal die Auswahl. Wichtigste Orientierung bieten die unterschiedlichen Alters- bzw. Gewichtsklassen, in welche die Sitze eingeteilt sind. Insgesamt bietet der Markt Modelle in den folgenden fünf Abstufungen an:

  • Gruppe 0: bis 10 kg Körpergewicht, entspricht ca. 0 bis 9 Monaten
  • Gruppe 0+: bis 13 kg Körpergewicht, entspricht ca. 0 bis 18 Monaten
  • Gruppe I: 9 bis 18 kg Körpergewicht, entspricht ca. 9 Monaten bis 4 Jahren
  • Gruppe II: 15 bis 25 kg Körpergewicht, entspricht ca. 3 bis 6 Jahren
  • Gruppe III: 22 bis 36 kg Körpergewicht, entspricht ca. 6 bis 12 Jahren
Quelle: GDV 2008: Kinder sichern im Auto. Berlin.

Bis zum Alter von zwölf Jahren wird Ihr kleiner Beifahrer mindestens drei unterschiedliche Sitzgrößen benötigen. Die Kleinsten starten mit der Babyschale, die stets entgegen der Fahrtrichtung befestigt wird (sog. Reboard-Sitze). Auf diese Weise ist der empfindliche Kopf- und Halswirbelsäulenbereich am besten abgestützt. Ab etwa einem Jahr folgt der in der Regel vorwärts gerichtete Kindersitz, der schließlich ab vier bis fünf Jahren von einer Sitzerhöhung mit Rückenlehne oder Halbschalkombination abgelöst wird. Ein Wechsel der Sitzgröße steht spätestens immer dann an, sobald der Kopf Ihres Kindes die Sitzschale überragt.



Sind günstige Sicherungssysteme bzw. gebrauchte Autokindersitze genauso sicher?
Oftmals gilt im Leben: Billig muss nicht unbedingt schlechter sein. Leider scheint diese Weisheit bei Autokindersitzen nicht zuzutreffen. Besonders preisgünstige Modelle landen in Tests aufgrund von mangelhafter Verarbeitung, fehleranfälliger Handhabung, ungenügenden Bedienungsanleitungen oder geringem Komfort immer wieder deutlich abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Es ist also ratsam, bei der Anschaffung nicht zu sparen, sondern lieber auf Qualität zu setzen.

Tipp aus der Praxis
Gut getestet

Von der Stiftung Warentest werden Autokindersitze regelmäßig unter die Lupe genommen. In der Ausgabe 06/2008 finden Sie die aktuellen Testergebnisse von 27 Modellen, deren Preisspanne zwischen 59 und 499 ? liegt. Nähere Infos finden Sie unter www.test.de.



Gegen den Kauf eines gebrauchten Kindersitzes ist im Grunde nichts einzuwenden. Lassen Sie sich jedoch nicht von der Optik täuschen: Auch wenn der Sitz von außen gepflegt und voll funktionstüchtig wirkt, können innere Abnutzungserscheinungen oder Beschädigungen vorliegen. Ein Gebrauchter ist o.k., wenn...

  • er die aktuelle Prüfnorm ECE R 4403 aufweist,
  • er nicht zu alt ist (zu erkennen an der ECE-Prüfnummer, die mit der Kennzeichnung "04" oder allenfalls mit "03" beginnen sollte),
  • Sie den Vorbesitzer und die "Vorgeschichte" des Sitzes kennen,
  • die Bedienungsanleitung noch vorhanden ist und
  • der Sitz unfallfrei ist.


Welcher ist der sicherste Platz im Auto?

Am sichersten reisen Kinder auf dem Rücksitz des Autos. Insbesondere die Montage einer Babyschale ist dort jedoch nicht immer einfach, was an zu kurzen Gurten oder der schlechten Zugänglichkeit der Rückbank bei zweitürigen Fahrzeugen liegen kann.
Bequemer ist es dann, das Baby rückwärts gerichtet auf dem Beifahrersitz zu transportieren. Zentrale Voraussetzung hierfür: Der Beifahrerairbag muss vorher deaktiviert und der Sitz möglichst in die hinterste Stellung gebracht werden! Ist dies nicht möglich, scheidet eine Sicherung auf dem Beifahrersitz aus.
Was das Aussteigen betrifft: Unfallexperten empfehlen, grundsätzlich nur die Gehwegseite zu nutzen. Behalten Sie diese Gewohnheit am besten über die gesamte Kinderzeit bei.



Was ist bei Einbau und Bedienung des Autositzes zu beachten?
Die Anschaffung des Kindersitzes ist das eine - mindestens genauso wichtig ist jedoch die korrekte Befestigung und Handhabung. Gehen Sie diesbezüglich genau nach den Bedienungsanleitungen der Kindersitz- und Fahrzeughersteller vor. Bei auftretenden Unsicherheiten können Sie sich an eine Fachwerkstatt, den Fachhandel oder häufig auch direkt an den Kindersitzhersteller wenden.

Achten Sie besonders auf den richtigen Gurtverlauf und stellen Sie durch eine Zugprobe sicher, dass Fahrzeug- und Zusatzgurte straff sind und der Sitz fest mit dem Auto verbunden ist und nicht wackelt. Grundsätzlich sollten Gurte immer ohne Spielraum am Körper anliegen und an die Größe sowie Kleidung der Kleinen angepasst sein. Gefahr droht, wenn sich das Gurtschloss zu hoch am Bauch befindet.

Nicht jedes Sicherungssystem muss sich in gleichem Maße gut für Ihr Auto eignen. Um beim Kauf auf Nummer sicher zu gehen, probieren Sie den Einbau am besten direkt vor Ort aus. Somit bekommen Sie auch sofort einen Eindruck von der Handhabungs- und Bedienungsfreundlichkeit.



Kind an Bord - Weitere Sicherheitsregeln zur Unfallverhütung im Auto
  • Sichern Sie Ihr Kind wirklich bei jeder noch so kurzen Fahrt. Unangeschnallt oder auf dem Schoß sitzend mitzufahren ist absolut tabu.
  • Wird Ihr Kind bei längeren Fahrten in seinem Autositz quengelig, so ist es Zeit für eine Pause auf einem Park- oder Rastplatz.
  • Schon früh sollten die Kleinen lernen, dass es gefährlich ist, sich aus dem Fenster zu beugen oder den Arm zu weit nach draußen zu strecken.
  • Lassen Sie Ihr Kind nicht allein im Auto. Dies gilt nicht nur an heißen Tagen.
  • Legen Sie keine Gegenstände auf der hinteren Ablage ab.  Bei einer scharfen Bremsung besteht sonst die Gefahr, dass diese durch das Auto fliegen.
  • Machen Sie von der Kindersicherung für Autotüren Gebrauch.