Kita-Vorsorgebogen

Mehr Vorsorge durch Zusammenarbeit von Eltern, ErzieherInnen und Kinder- und Jugendärzten

Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten im Kindesalter haben im Laufe der vergangenen Jahre stetig an Bedeutung zugenommen – das zeigen nicht nur die aktuellen Studien zur Gesundheit von Kindern, sondern auch die alltäglichen Erfahrungen von ErzieherInnen. Die Ursachen sind vielfältig: Von Reizüberflutung, Medienkonsum und Bewegungsmangel angefangen bis hin zu Erziehungsunsicherheit, gewandelten familiären Strukturen und Armut. In jedem Fall sind psychische Auffälligkeiten gesundheitliche Beeinträchtigungen mit teilweise schwerwiegenden Auswirkungen auf das Wohlbefinden, die Lebensqualität und Lernchancen der betroffenen Kinder.

 

Chronische Entwicklungen können jedoch, wenn sie durch entsprechende Interventionen aufgefangen werden, weitgehend verhindert werden – neben pädagogischen Ansätzen in der Kita-Arbeit können hierfür ggf. auch über den Kinder- und Jugendarzt einzuleitende weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen notwendig sein. Von entscheidender Bedeutung ist in jedem Fall ein frühzeitiges Erkennen der physischen Auffälligkeiten.

 

Allerdings sind für den untersuchenden Kinder- und Jugendarzt Verhaltensprobleme in der einzelnen Untersuchungssituation häufig kaum erkennbar. Und auch Eltern fällt es aufgrund emotionaler Nähe und fehlender Vergleichsmöglichkeiten eher schwer, die Entwicklung ihres Kindes richtig einzuschätzen. Im Kita-Alltag, also in der sozialen Interaktion in der Gruppe, können sich dagegen ganz andere Eindrücke und Beobachtungen zeigen, die neben der Entwicklung von kindlichen Stärken möglicherweise auch frühzeitig auf Schwierigkeiten und Auffälligkeiten hinweisen können. Diese wertvollen Erfahrungen, die dem Kinder- und Jugendarzt als Ergänzung, Differenzierung sowie Bestätigung in der Untersuchungssituation dienen können, blieben jedoch für ihn bislang ungenutzt. An dieser Stelle setzt das Vorhaben "Kita-Vorsorgebogen" an.

 

 

Ziel...

...dieses Projektes – das der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte gemeinsam mit dem BKK Bundesverband zu Beginn des neuen Kindergartenjahrs 2007 startete – ist es, die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen im Kindergartenalter zu erhöhen sowie die Qualität durch zusätzliche Hinweise für die ärztliche Diagnostik aus dem Kita-Alltag zu stärken.

 

Ausgangspunkt ist ein seit 2002 im Kreis Recklinghausen mit rund 140 Kitas erfolgreich praktiziertes Verfahren, bei dem Eltern, ErzieherInnen und Kinder- und Jugendärzte zusammenarbeiten: Bei erklärtem Einverständnis der Eltern füllen die ErzieherInnen rechtzeitig zu den kinderärztlichen Früherkennungsuntersuchungen U8 und U9 den 2-seitigen sog. Kita-Vorsorgebogen aus, den sie den Eltern in einem pädagogischen Gespräch übergeben.

 

Hierbei wird den Eltern ebenfalls empfohlen, den Bogen zur Vorsorgeuntersuchung mitzunehmen. Am Untersuchungstag bespricht der/die Kinder- und Jugendarzt/ärztin den Inhalt dann mit den Eltern und entscheidet aus der Zusammenschau von Elterngespräch, ärztlicher Befunderhebung und Vorsorgebogen über eventuell einzuleitende Maßnahmen. Nach der Untersuchung erhalten die Eltern den Bogen zurück.

 

Die mehrjährigen Praxiserfahrungen in Recklinghausen sind ausgesprochen positiv. Von den beteiligten Kitas wird der zusätzliche Aufwand als überschaubar beurteilt, da zur Beantwortung des Bogens keine zusätzlichen Tests o. ä. erforderlich sind und die Reflektion von Alltagsbeobachtungen sowie Elterngesprächen zur pädagogischen Praxis gehört. Auch die Verknüpfung mit evtl. vorhandenen anderen Beobachtungsinstrumenten gestaltet sich problemlos. Eltern ihrerseits reagieren positiv auf die Gespräche mit den ErzieherInnen und empfinden die Beachtung ihres Kindes und die engagierte Auseinandersetzung  mit eventuellen Auffälligkeiten als hilfreich.

 

Die pädagogische Arbeit der Kitas wird durch diese interdisziplinäre Zusammenarbeit aufgewertet. Die abgefragten Beobachtungen der ErzieherInnen sind zwar subjektiv – basieren aber auf deren professionellen Erfahrungen. Die Beobachtungen sind keine Diagnosen – aber sie dienen als Hinweise für gezielte Nachfragen an Eltern oder – ebenfalls mit Einverständnis der Eltern – für Rückfragen an die Kita.

 

 

Abschließend noch ein paar ergänzende Informationen

  • Für die Ausweitung des Projektes stehen alle Materialien in neuem Layout zur Verfügung. Auf vielfachen Wunsch von ErzieherInnen enthält der Bogen nun auf der ersten Seite eine zusätzliche freie Rubrik "Besondere Stärken und Interessen des Kindes sind..."
  • Bei der Projektdurchführung werden alle Kinder, unabhängig von ihrer Krankenversicherung, einbezogen, sofern die Eltern schriftlich ihr Einverständnis erklärt haben.
  • Der Fragebogen umfasst Fragen zur sozialen Kompetenz, zur Motorik, Bewegungskoordination, Konzentration und zu (psychosomatischen) Auffälligkeiten und Störungen.

Eltern als Partner

Möglichkeiten, Eltern in die Aktivitäten im Bereich der Gesundheitsförderung einzubeziehen, ihre Verantwortung und Vorbildungsfunktion zu stärken, finden Sie hier in bunter Vielfalt. 


Zu den Aktionsideen

Für Eltern

Mit dem Aktivprogramm "Mach mit!" möchten die BKK Eltern unterstützen und ihnen mit vielfältigen Informationen, Spielideen und praktische Anregungen für einen gesunden Familienalltag zur Seite stehen.

 

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